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Donnerstag, 29. Juli 2010 |
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2. Die Anwesen der Abwesenden |
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Geschrieben von: Chaim Denkner
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Montag, den 07. März 2005 um 15:15 Uhr |
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2. Die Anwesen der Abwesenden
Übersetzung aus HA'ARETZ (Tel Aviv), 20. Oktober 1978
LEBEN IM SCHATTEN DER AUTONOMIE
von Chaim Denkner
... Der Vorsitzende des Komitees der Jordantal-Siedlungen (8), Israel Nedivi, ein junger Mann mit gehäkeltem Käppi auf dem Kopf ("... aber ich gehöre nicht zu Gusch Emunim", sagt er lächelnd), schaut durch's Fenster auf die Felder der landwirtschaftlichen Versuchsstation Argaman (im Jordantal) und sagt, während er sein Kinn mit der Hand aufstützt: "Meine größte Sorge ist, daß sie uns jetzt (bei den israelisch-ägyptischen Verhandlungen in Washington) verkaufen, ohne richtig nachzudenken. Was wird aus uns werden? Wir nützen unsere Beziehungen zu Knesseth-Abgeordneten, zu Ministern und zu allen möglichen Leuten aus, die wissen was los ist - wir fragen und fragen. Keiner weiß Bescheid. Alle diese Leute, die seit Jahren über uns sprechen, sie wissen nicht nur nicht, wie es weitergeht, sie kennen nicht mal unsere jetzigen Probleme, und schon gar nicht die Probleme, die wir haben werden, wenn die Autonomie (für die besetzten Gebiete) kommt. Vor einer Woche war Landwirtschaftsminister Sharon bei uns. Wir stellten ihm Fragen, aber er hatte keine Antworten. Er hat uns natürlich versichert, daß wir nicht unter arabischer Souveränität werden leben müssen. Aber das ist uns zu vage. Bevor man abstrakt über Souveränität redet, sollte man darüber nachdenken, wie wir hier leben sollen, man sollte an die täglichen Details denken, die unser Leben hier bestimmen, und die die Grundlage unserer Existenz hier im Jordantal sind."
"Man hat einen Ausschuß für die Ausarbeitung eines Autonomie-Planes eingesetzt", werfe ich ein.
"Uns hat niemand eingeladen", entgegnet er bitter, "niemand hat uns gefragt. Ich bin nicht sicher, ob sie in dem Ausschuß die Probleme überhaupt kennen."
"Und was sind die Probleme?"
"Das erste und das allerwichtigste - - das Land. Wir bebauen hier Tausende Dunam von überaus fruchtbarem Land. Diese Felder haben wir - also sagen wir ruhig die Wahrheit von den Arabern. Was das für Araber sind? Vor allem natürlich 'Abwesende', Araber aus Nablus oder Tubas, die während des Sechs-Tage-Krieges (1967) nach Jordanien wegrannten. Diese Leute können nicht nach Judäa und Samaria (d. h. in die von Israel besetzte Westbank) zurückkommen, weil man an den Jordan-Brücken Namenslisten hat. Die Beamten dort passen höllisch auf. Also wenn da ein Landbesitzer kommt, der zu den 'Abwesenden' zählt, den werden sie niemals reinlassen (9). Vor ein paar Jahren ist es einem 'Abwesenden' trotzdem irgendwie gelungen, nach Tubas zu kommen. Am anderen Tag packte er seine Akten, rannte zu einem Anwalt, klagte beim Obersten (israelischen) Gerichtshof, und erhielt sein rechtmäßiges und koscheres Land zurück. Dieses Stück Land, also ein paar wirklich gute Dunam, lag mitten in einer Siedlung, und alle Wasserleitungen führten darüber hinweg. Du kannst Dir nicht vorstellen, was wir durchmachten, und wie wir diesem 'Abwesenden' zusetzen mußten, bis er einwilligte, sein Land gegen ein anderes Stück umzutauschen und uns nicht mehr auf die Nerven ging. Und jetzt diese Autonomie. Selbst wenn festgelegt wird, daß keine weiteren Araber in die Westbank kommen dürfen, was ja wahrscheinlich gar nicht zu machen sein wird, aber nehmen wir's mal an: dann werden diese 'Abwesenden' eben 'aus Versehen' zurückkommen; und dann werden sie alle da sein. Sie werden zu den Gerichten marschieren, einerlei ob zu unseren oder zu ihren, werden ihre Kuschans (Land-Zertifikate) präsentieren - und dann haben wir die Bescherung. Die Siedlungen im Jordantal werden kein Stück Land mehr haben.
Und wenn das nicht passiert, dann passiert etwas anderes. Nicht alles Land der 'Abwesenden' war für unsere Siedlungen brauchbar. Entweder es war steinig, oder es lag zu weit weg. Also kurzum, wir haben's gegen Land von 'Anwesenden' umgetauscht. Glaubst Du, die waren über den Tausch besonders erfreut? Ja was denkst Du eigentlich? Wir haben - sagen wir mal Druck ausgeübt. Wir, und die Regierung, und die Militärbehörden, und die Armee. Wir haben sie auf verschiedene Arten unter Druck gesetzt, und sie haben zugestimmt. Und wenn die Autonomie kommt, dann gehen sie vor Gericht und sagen: 'Der Landtausch kam illegal zustande. Wir wurden bedroht. Man hat auf uns geschossen. Wir wollen unser Land zurück'.(10)
Es ist doch so, daß sogar jetzt, wo wir keine Autonomie haben und hier sitzen und miteinander reden, wo es noch eine Militärregierung gibt, die Araber der Westbank vor's Oberste Gericht gehen. Und manchem ist es schon gelungen, von den Moschavim Ro'i, Beka'ot oder Mechora Land zurückzubekommen. Glaubst Du vielleicht, die Gerichte werden die Landbesitzer härter anfassen, wenn wir die Autonomie haben?
Aber das ist noch nicht alles. Reden wir mal von den Baugenehmigungen. Wenn ich heute mein Haus in Mehola ausbauen will, dann gehe ich zur Militärbehörde, und die Sache ist gelaufen. Aber was wird passieren, wenn in dem Planungskomitee auch Westbank-Araber sitzen, die natürlich nicht vor Freude überschnappen, wenn ein Jude im Jordantal sein Haus vergrößern will. Kannst Du Dir die Scherereien vorstellen, die die mir machen werden? Was denkst Du, werden die mir die Genehmigung geben? Und das ist noch nicht alles. Was ist mit dem Wasser? Wenn ich heute die Wasserrechte der Araber ein bißchen verletze, dann macht sogar die Militärbehörde Theater. Und wenn hier Autonomie ist - was dann? Wer wird mir mein Anrecht auf Wasser garantieren? Soll ich vielleicht ohne Wasser Landwirtschaft treiben? Wir kämpfen ja heute schon um jeden Tropfen Wasser. Wir verlegen uns jetzt auf Getreidearten, die wenig Wasser brauchen. Und wenn die Autonomie kommt?
Von den Rechtsstreitigkeiten will ich gar nicht erst reden. Alle schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und sagen: Werden wir unsere Streitfälle einem arabischen Richter vortragen müssen? ...
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 08. März 2005 um 23:38 Uhr |
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